Eurolax Sixes Cup 2026 Men’s: Standortbestimmung auf der Road to LA28

Wenn man Ende Februar nach Vila Real de Santo António in Portugal reist, dann weiss man: Hier geht es nicht um Ferien am Atlantik – hier geht es um Tempo, Hits, Emotionen und Sixes Lacrosse auf europäischem Spitzenniveau. Genau dort trat die Schweizer Herren-Nationalmannschaft mit zwei Teams beim Eurolax Sixes Cup an: Edelweiss (Switzerland Red) und Enzian (Switzerland White).

Unter der Leitung von Head Coach Stefan Zweifel und mit tatkräftiger Unterstützung von Frauen-Nationalcoach Thierry Frei nutzte die Schweiz das Turnier als wichtige Standortbestimmung auf der Road to LA28. Denn mit der Aufnahme von Lacrosse Sixes ins olympische Programm von Los Angeles 2028 nimmt die internationale Entwicklung des Sports weiter Fahrt auf. Gleichzeitig diente das Wochenende als Vorbereitung für die Europameisterschaft im November in Salou.

Und eines wurde schnell klar: In Europa schläft niemand.
(Bericht von Daniel Bachmann)


Schwieriger Start für Edelweiss

Der Einstieg für das Fanion-Team Edelweiss hätte kaum anspruchsvoller sein können. Gleich im ersten Spiel wartete Deutschland – physisch stark, strukturiert und sofort auf Betriebstemperatur.

Freitag, 27. Februar
Germany – Edelweiss 25:10
(5:2, 7:2, 7:2, 6:4)

Deutschland setzte früh das Tempo und stellte die Schweizer Defensive vor grosse Herausforderungen. Doch genau solche Spiele sind es, die bei einem Vorbereitungsturnier wertvoll sind: Man sieht sofort, wo man steht. Und Edelweiss reagierte.

Am zweiten Tag fand das Team deutlich besser in seinen Rhythmus. Das zeigte sich bereits im ausgeglichenen Spiel gegen France White, das mit einem 5:5-Unentschieden endete.

Samstag, 28. Februar
France White – Edelweiss 5:5
(1:3, 1:0, 1:2, 2:0)

Noch enger – und emotional fast noch schmerzhafter – war das Duell gegen Netherlands Orange. Lange lag Edelweiss vorne, ehe die Niederländer im letzten Viertel zurückkamen.

Netherlands Orange – Edelweiss 10:8
(2:2, 2:4, 2:2, 4:0)

Ein Spiel, das man durchaus hätte gewinnen können – und besonders bitter, weil die Niederlande später bis ins Finale vorstiessen.

Auch gegen Ireland Green blieb es bis zum Schluss eng:

Ireland Green – Edelweiss 14:12
(3:4, 4:1, 4:5, 3:2)

Doch zum Abschluss des Turniers zeigte Edelweiss noch einmal seine offensive Qualität.

Portugal – Edelweiss 7:19
(3:5, 1:2, 1:3, 2:9)

Ein Statement zum Turnierende – und ein klares Zeichen, dass der Rhythmus gefunden wurde.


Enzian mit harten Learnings

Auch Enzian sammelte am Wochenende wertvolle Erfahrungen gegen starke europäische Konkurrenz. Der Auftakt gegen Gastgeber Portugal war ein intensiver Schlagabtausch:

Portugal – Enzian 12:8
(5:3, 2:1, 2:0, 3:3, 0:1)

Am Samstag warteten mit Ireland Green und Netherlands White zwei physisch sehr starke Gegner.

Ireland Green – Enzian 13:1
(4:1, 4:0, 4:0, 1:0)

Netherlands White – Enzian 15:7
(5:2, 4:1, 1:1, 5:3)

Doch genau diese Spiele gegen Teams aus der europäischen Spitze liefern die wertvollsten Learnings.

Am Sonntag folgten noch zwei weitere intensive Partien:

Ukraine – Enzian 10:4
(4:1, 2:0, 2:2, 2:1)

Spain – Enzian 12:11
(2:2, 4:3, 5:5, 1:1)

Gerade das Spiel gegen Spanien zeigte, wie nah Enzian dran ist – ein Spiel auf Augenhöhe, das am Ende nur hauchdünn verloren ging.


Das Tor des Wochenendes

Und dann gab es diesen Moment. Till Schütze steht auf der Grundlinie. Winkel? Praktisch nicht vorhanden. Der irische Goalie steht perfekt im Tor. Schütze zieht trotzdem ab – und zimmert den Ball unhaltbar ins obere Eck.

Der Goalie schaut hinter sich ins Netz. Schaut wieder nach vorne. Und schüttelt für etwa eine volle Minute einfach nur den Kopf.

Tor des Wochenendes. Ohne Diskussion.


Team-Spirit auf und neben dem Feld

Ein Turnier wie dieses lebt aber nicht nur von Resultaten. Einer der inspirierendsten Momente kam von der ukrainischen Mannschaft. Während eines Spiels der Damen standen mehrere Spieler oben ohne am Spielfeldrand und sangen vier Viertel lang durch, um ihre Teamkolleginnen anzufeuern. Ein Bild, das zeigt, was internationalen Lacrosse ausmacht: Leidenschaft, Zusammenhalt und purer Team-Spirit.

Und auch im Schweizer Lager gab es legendäre Momente.

Allen voran die Shuttlebus-Fahrten, begleitet von den musikalischen – nennen wir es vorsichtig – KI-Verbrechen der Züri Boys. Ein Soundtrack, der vermutlich nicht für einen Grammy nominiert wird, aber definitiv für einige der lautesten Lacher des Wochenendes sorgte.

Aber auch der gemeinsame Abschluss nach dem Turnier mit riesigen Sombreros und schiefer Karaoke wird in bester Erinnerung bleiben.


Fazit: Lichtblicke und wertvolle Learnings

Am Ende war der Eurolax Sixes Cup genau das, was er sein sollte: eine ehrliche Standortbestimmung.

Die Schweiz konnte gegen starke Gegner antreten, wichtige Erfahrungen sammeln und erneut von der europäischen Spitze lernen. Gleichzeitig gab es viele positive Signale – vom verbesserten Rhythmus von Edelweiss bis zu den engen Spielen von Enzian.

Die Richtung stimmt. Und der Weg geht weiter. Nächster Halt: Europameisterschaft in Salou. Die Road to LA28 hat gerade erst begonnen.